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Doku online ansehen: Nie wieder Fleisch? (01:03:30)

In den letzten 50 Jahren hat sich der weltweite Fleischkonsum verfünffacht. Während man in Europa schon immer viel Fleisch gegessen hat, wächst die Lust darauf nun auch in Ländern wie China und Indien. Doch der Hunger nach Fleisch hat verheerende Konsequenzen. In China nehmen gesundheitliche Probleme der Bevölkerung durch die veränderte Ernährung stetig zu, in Paraguay führt der Futterexport nach Europa zu extremer Armut, in Frankreich und Deutschland ist das Grundwasser durch die extensive Landwirtschaft gefährdet und weltweit leidet das Klima. Viele Masttiere gleichen mittlerweile Futterverwertungsmaschinen und verbringen ihr kurzes Leben zusammengepfercht in dreckigen Ställen.
Die Industrie hingegen wirbt mit Heilsversprechen für ihre Produkte - Fleisch sei gesund und für eine ausgewogene Ernährung notwendig. Dabei belegen Studien, dass der Konsum von zu viel rotem Fleisch nicht nur krank macht, sondern das Leben sogar verkürzen kann.
Auch weißes Fleisch ist problematisch, denn Hühner und Puten werden erschreckend häufig mit Antibiotika behandelt. Moderne Mastbetriebe haben sich zu Hightech-Firmen entwickelt, in denen die Tiere lediglich Produkte sind. Dass es sich um Lebewesen handelt, wird gerne vergessen.
Jährlich produziert Europa rund 40 Millionen Tonnen Fleisch, das Futter für die Tiere kommt oft aus Südamerika, zum Beispiel aus Paraguay. Einige wenige Unternehmer verdienen dort an dem Export sehr gut, die Mehrheit der Bevölkerung leidet darunter. Denn die Sojapflanzen werden mit extrem giftigen Pflanzenschutzmitteln besprüht. Eine wissenschaftliche Studie der Universitätsklinik von Asunción belegt, dass in Dörfern in der Nähe von Sojafeldern auffällig oft Kinder mit Missbildungen geboren werden.
Aber nicht nur der Import nach Europa, auch der Export führt zu Hunger und Elend. Fleisch wird in Europa so günstig hergestellt, dass es für viele Afrikaner billiger ist, europäische Produkte zu kaufen als selber zu produzieren. Eine Folge ist die Zerstörung der einheimischen Märkte, denn die Bauern sind der industriellen und staatlich subventionierten Konkurrenz aus Europa schutzlos ausgeliefert, wie Berichte aus Ghana und Benin beweisen.
(Deutschland 2012,
NDR)

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Unser täglich Gift - Wie die Konzerne unsere Lebensmittel vergiften

"Mit kaum etwas befasst sich die moderne Gesellschaft so obsessiv wie mit ihrem Essen. Ein Dokumentarfilm über Pestizide in Lebensmitteln will erklären, wie krank uns unsere Nahrung macht.

Als Arte vor drei Jahren die Dokumentation Monsanto - Mit Gift und Genen zeigte, stellten die Senderstrategen des Kulturkanals einen erstaunlichen Effekt fest. 1,8 Millionen Menschen sahen zunächst die Fernsehausstrahlung in Frankreich und Deutschland. In den folgenden sieben Tagen jedoch - so lange stehen Filme bei Arte in der Mediathek - wurde die Doku über den umstrittenen Hersteller von genverändertem Saatgut noch einmal 217586 Mal im Internet abgerufen. Ein erstaunlicher Wert für das sehr spezielle Thema.

Die Autorin Marie-Monique Robin will in ihrem Dokumentarfilm Unser täglich Gift das Thema "vom Acker des Bauern bis zum Teller des Verbrauchers" untersuchen. Schon mit ihrem Film über den Genmais Monsanto erregte sie viel Aufsehen. (© dpa)
Aufmerksam registrierte man beim Sender auch im Mai 2010 das große Interesse an einem Film über das Bienensterben. Mehr als eine halbe Million Menschen schalteten in Deutschland ein. Nun zeigt der französisch-deutsche Kanal erneut eine Dokumentation über Umweltgifte. Autorin Marie-Monique Robin hat sich drei Jahre nach ihrem Film über Monsanto mit chemischen Zusatzstoffen in unserer Nahrung auseinandergesetzt - also mit Pestiziden, Weichmachern, Farbstoffen, Geschmacksverstärkern.

Mit kaum etwas befasst sich die moderne Gesellschaft so obsessiv wie mit ihrem Essen - und es ist eine Geschichte der Beunruhigung. Fast fünfzig Jahre ist es her, dass der Familienvater Nicolas seinem Ärger Luft machte, in einem Schwarzweißfilm des Wissenschaftsjournalisten Jean Lallier zum Thema Ernährung. Eine Szene aus Le Pain et le Vin de l'an 2000 sieht man am Anfang von Robins Film.

Nicolas ist das Oberhaupt einer französischen Musterfamilie, aber während seine Frau und seine zwei Kinder am gedeckten Tisch brav essen, schimpft er nur vor sich hin. Er hat gehört, dass die Industrie nun auch noch ein Mittel entdeckt hat, das sein Brot besonders weich machen soll. Die Äpfel mit Insektiziden bespritzt und dann auch noch die Farbstoffe im Wein - oh là là! Es reicht ihm langsam. Nicolas findet, dass Studien gestartet werden sollten, um zu untersuchen, ob diese vielen Zusatzstoffe nicht gefährlich sind. "Wir müssten Experten dazu befragen."

Das war 1964 ein aufklärerischer Film, aber seine Fragen sind immer noch aktuell. Welche Auswirkungen haben Farbstoffe oder Rückstände von Pestiziden auf die Gesundheit? Bio-Boom, die Existenz einer Organisation wie Foodwatch und unzählige Magazinveröffentlichungen zu Ernährung, Allergien und anderen Krankheiten sprechen für das große Misstrauen in der Gesellschaft beim Thema Lebensmittelsicherheit.

Marie-Monique Robin gilt als engagierte Rechercheurin, die Provokationen nicht scheut; angreifbar hat sie sich 1995 mit einem Film über Organhandel gemacht, bei dem Details nicht stimmten. Für ihre Dokumentation Unser täglich Gift hat sie zwei Jahre lang in Europa, Nordamerika und Asien recherchiert. Ihr Film ist trotz des komplexen Themas sehr anschaulich: Fachbegriffe, Definitionen, Formeln und Zahlen weiß die Autorin zu erklären, und sie mischt die Daten mit Zeichnungen und historischem Filmmaterial. Sie demonstriert sozusagen Verständlichkeit als Mittel der Glaubwürdigkeit - umso dubioser wirkt da das Schweigen mancher Hersteller." Quelle Süddeutsche

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